Intuition prüfen

Woran erkenne ich, ob mein Bauchgefühl Wunschdenken ist?

Von innen fühlen sich Bauchgefühl und Wunschdenken gleich an. Beide kommen mit Klarheit und ohne Zweifel. Der Unterschied liegt in den Umständen: Stehen Sie unter Druck und brauchen Sie dringend eine bestimmte Lösung, sagt der Bauch oft Ja zur Hoffnung, nicht zur Sache.

Warum das so ist

Kahnemans wichtigster Punkt wird oft missverstanden. Er sagt nicht, dass Intuition unzuverlässig ist. Er sagt, dass sich echte Intuition und Wunschdenken unter Druck identisch anfühlen. Beide sind klar. Beide fühlen sich an wie Wissen. Der Unterschied zeigt sich erst hinterher.

Tragfähige Intuition braucht zwei Voraussetzungen. Erstens implizites Wissen: Erfahrung, die auf die Lage passt. Zweitens einen klaren Empfang: kein Druck, keine Not, keine Agenda, die das Signal verzerrt.

Ohne implizites Wissen ist Intuition Raten. Ohne klaren Empfang ist Intuition Wunschdenken.KLARHEIT abrufen, S. 70

Besonders tückisch ist ein früherer Erfolg. Wer einmal erlebt hat, dass sein Bauch recht hatte, vertraut dem Gefühl beim nächsten Mal schneller. Die Situation kann eine ganz andere sein. Nur das Gefühl ist dasselbe.

Ein zweiter Hinweis liegt im Verlauf. Echte Intuition hält der Prüfung stand. Wunschdenken braucht ständig neue Erklärungen. Wenn die Fakten gegen eine Option sprechen und Sie trotzdem am Bild vom ersten Tag festhalten, hängt Ihr Bauch an der Hoffnung. Dann ist Aktivität leicht mit Ergebnis zu verwechseln.

Das Wissen ist da. Der Zugang ist verschüttet. Bei Wunschdenken ist er nicht verschüttet, sondern umgeleitet: Er führt zu dem, was Sie sich wünschen. Die Grundfrage dahinter behandelt der Beitrag Bauch oder Kopf: Wann darf ich meiner Intuition vertrauen?

Der Mann, der die Türen öffnen sollte

Einige Jahre nach einer Entscheidung, bei der mein Bauch recht behalten hatte, saß ein Mann in meinem Büro. Ehemaliger Geschäftsführer eines Wettbewerbers. Branchenkenner, gut vernetzt. Er kannte die Kunden, an die wir seit Jahren nicht herankamen.

Mein Bauch sagte sofort: Der ist es. Keine Zweifel. Keine Angst. Dasselbe Gefühl wie damals.

Was ich nicht sah: Der Markt war rückläufig, die Zahlen stimmten nicht mehr. Ich brauchte eine Lösung. Und dieser Mann sah aus wie die Lösung.

Ich stellte ihn ein. Großer Dienstwagen, ein SAAB, darauf legte er Wert. Nach einem Jahr standen 60.000 Kilometer auf dem Tacho. Kein einziger neuer Kunde. Ich fragte nach. Er erklärte, die Gespräche liefen, Beziehungen bräuchten Zeit. Die Fakten sprachen gegen ihn. Mein Bauch noch nicht.

Wie lange ich ihm glaubte und was mich das gekostet hat, steht in Kapitel 4 von „KLARHEIT abrufen“.

Was Sie jetzt tun können

Nehmen Sie die Option, zu der Ihr Bauch gerade Ja sagt. Schreiben Sie in einem Satz auf, welches Problem Sie im Moment dringend lösen müssen. Dann stellen Sie sich eine Frage: Sagt mein Bauch Ja zu dieser Option oder Ja zu der Rettung, die sie verspricht?

Passt die Option verdächtig genau zu Ihrem Druck, prüfen Sie doppelt. Der Druck ist kein Beweis gegen die Option. Aber er ist ein Störsender. Und ein Störsender sendet am lautesten genau dann, wenn Sie ihn am wenigsten bemerken wollen.

Im Decision Clarity Process hat diese Prüfung einen festen Platz, den Realitätscheck. Der Decision Clarity Process ist ein strukturierter Entscheidungsprozess für den Fall, dass Fakten, Erfahrung und Analyse vorliegen und die Entscheidung trotzdem nicht fällt.

Die ganze Geschichte und den Weg dorthin finden Sie im Buch. Zum Buch „KLARHEIT abrufen“. Käufer erhalten 24 kapitelbezogene Begleitmaterialien kostenfrei, Zugang im Buch. Für eine konkrete Entscheidung: Entscheidungs-Sparring.

Häufige Fragen

Kann sich Intuition irren?

Ja. Intuition ist nur so gut wie die Erfahrung dahinter und der Zustand, in dem Sie sie abrufen. Unter starkem Druck verzerrt sich das Signal.

Warum fühlt sich Wunschdenken so sicher an?

Weil es mit derselben Klarheit kommt wie echte Intuition. Beide fühlen sich an wie Wissen. Erst die Prüfung der Umstände zeigt, worauf das Gefühl beruht.

Hans W. Deckers, Autor von KLARHEIT abrufen und Entwickler des Decision Clarity Process

Der Autor

Hans W. Deckers hat über drei Jahrzehnte unternehmerische Verantwortung getragen, auch durch eine Konzernkrise mit Insolvenz und Inhaberwechsel. Er ist Autor von „KLARHEIT abrufen. Entscheiden in dünner Luft“ und Entwickler des Decision Clarity Process, eines praxisorientierten Sieben-Schritt-Prozesses für Entscheidungsklarheit unter Druck.

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