Fragen zur Entscheidung

Warum bestätigen Gutachten oft, was der Chef längst wusste?

Weil die Entscheidung oft schon feststeht, bevor das Gutachten beauftragt wird. Das Gutachten liefert dann die Begründung nach und schützt den Entscheider, falls es schiefgeht. Gerd Gigerenzer nennt das Post-Rationalisierung.

Warum das Gutachten oft nur die Begründung liefert

Hans W. Deckers, Autor von „KLARHEIT abrufen“ und Entwickler des Decision Clarity Process, widmet diesem Mechanismus Kapitel 3. Er beruft sich auf Gerd Gigerenzer, der Entscheidungsprozesse in Unternehmen untersucht hat. Dessen Kernthese ist einfach: In den meisten Fällen steht die Entscheidung schon fest. Die Begründung wird nachgeliefert.

Im Alltag kennt das jeder. Man will etwas, und der Kopf sammelt danach die passenden Gründe. Im Unternehmen funktioniert es genauso, nur teurer. Wer eine Entscheidung mit einem externen Gutachten belegen kann, steht im Ernstfall besser da. Der Verweis auf das externe Gutachten wird zur Versicherung. Dazu passt ein Befund, den das Buch zitiert. Philip Tetlock hat in einer Langzeitstudie gezeigt, dass Expertenvorhersagen in komplexen Systemen kaum besser sind als informiertes Raten. Das Gutachten kauft also selten Sicherheit über die Zukunft. Es kauft Sicherheit für den Entscheider.

Millionen für Absicherung. Nicht für Erkenntnis.KLARHEIT abrufen, S. 38

Die Ökonomin Mariana Mazzucato vertritt eine ähnliche These: Die Beratungsindustrie verkaufe weniger Wissen als Vertrauen. Und sie schwäche dabei die Fähigkeit der Unternehmen, Probleme selbst zu lösen.

Das Gutachten ist also selten falsch. Es ist nur nicht der Grund für die Entscheidung. Der Grund lag vorher schon da: im Erfahrungswissen der Menschen, die das Unternehmen führen. Das Wissen ist da. Der Zugang ist verschüttet, oder es fehlt das Vertrauen, ihm ohne Beleg zu folgen.

Folie 187

Ein Bankenturm in Frankfurt, 23. Stock, Konferenzraum mit Blick auf den Main. Am Tisch sitzt der Partner einer großen Strategieberatung. Ihm gegenüber vier Vorstandsmitglieder. Vor ihnen eine Strategie-Präsentation, das Ergebnis von neun Monaten Arbeit.

Der Partner klickt durch die Folien. Seine Hand zittert nicht. Er weiß, was kommt. Bei Folie 187 bleibt er stehen. Die Empfehlung.

Der CEO liest. Sein Kiefer spannt sich. Die Finger um den Kugelschreiber werden weiß. Er sieht den Finanzvorstand an. Der sieht zurück. Beide denken dasselbe.

An dieser Stelle hält das Buch an und fragt den Leser: Was hätten Sie getan? Sie sitzen im Vorstand. Sie wissen seit Monaten, was richtig ist, aber Sie können es nicht beweisen. Würden Sie handeln? Oder würden Sie auch den Berater rufen?

Was der CEO dann sagt und was der Partner darauf antwortet, steht in Kapitel 3 von „KLARHEIT abrufen“.

Was Sie jetzt tun können

Bevor Sie das nächste Gutachten beauftragen, schreiben Sie in einem Satz auf, was es empfehlen wird. Legen Sie den Zettel in einen Umschlag. Öffnen Sie ihn, wenn das Ergebnis vorliegt.

Stimmt beides überein, wissen Sie, was Sie bezahlt haben: Bestätigung. Das kann manchmal den Preis wert sein. Aber Sie wissen es dann vorher und nicht erst bei Folie 187. Und Sie wissen, dass die Klarheit schon vor dem Auftrag da war.

Wie dieser Mechanismus im Kopf funktioniert, lesen Sie hier: Was ist Post-Rationalisierung bei Entscheidungen?

Die Klarheit ist da. Das Wissen ist da. Die Erfahrung ist da. Was den Unterschied macht: ob jemand seine eigene Klarheit im entscheidenden Moment erreicht und ihr vertraut.

Kapitel 3 von „KLARHEIT abrufen. Entscheiden in dünner Luft“ zeigt das Geschäft mit der Absicherung aus der Nähe. Käufer erhalten 24 kapitelbezogene Begleitmaterialien kostenfrei, Zugang im Buch. Für Führungskonferenzen gibt es die Keynote zum Thema Beratung als Absicherung.

Häufige Fragen

Sind externe Gutachten also überflüssig?

Nein. Wo Fachwissen fehlt, sind sie notwendig. Problematisch wird es, wenn das Gutachten nur bestätigen soll, was die Führung längst weiß, und die Entscheidung bis dahin liegen bleibt.

Warum vertrauen Führungskräfte ihrer eigenen Einschätzung nicht?

Weil eine Einschätzung ohne Beleg im Ernstfall schwer zu verteidigen ist. Die Angst vor persönlicher Haftung macht das Gutachten zur Versicherung, auch wenn es inhaltlich nichts Neues bringt.

Hans W. Deckers, Autor von KLARHEIT abrufen und Entwickler des Decision Clarity Process

Der Autor

Hans W. Deckers hat über drei Jahrzehnte unternehmerische Verantwortung getragen, auch durch eine Konzernkrise mit Insolvenz und Inhaberwechsel. Er ist Autor von „KLARHEIT abrufen. Entscheiden in dünner Luft“ und Entwickler des Decision Clarity Process, eines praxisorientierten Sieben-Schritt-Prozesses für Entscheidungsklarheit unter Druck.

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