Intuition und Entscheidung

Bauch oder Kopf: Wann darf ich meiner Intuition vertrauen?

Bauch oder Kopf ist die falsche Frage. Ihrer Intuition dürfen Sie vertrauen, wenn zwei Dinge zusammenkommen: echte Erfahrung in genau dieser Art von Situation und ein Zugang, der nicht von Druck oder Angst verzerrt ist. Fehlt eines davon, muss der Kopf prüfen.

Warum das so ist

Der Bauch rät nicht. Er erkennt Muster. Ihr Unbewusstes hat über Jahre gespeichert, was Sie erlebt, gesehen und gehört haben. Gesichter, Tonlagen, Verhandlungen, Marktbewegungen. Gleicht eine neue Lage einer alten, meldet es sich. Schneller, als der Kopf rechnen kann.

Dieses Signal ist aber nur so gut wie das Material dahinter. Wer in einem Feld nie Erfahrung gesammelt hat, bekommt dort kein Signal. Er bekommt ein Gefühl. Und selbst mit Erfahrung kann der Empfang gestört sein. Erfolgsdruck, eine alte Verlusterfahrung, der dringende Wunsch nach einer Lösung: All das klingt innen genauso überzeugend wie echte Intuition.

Die Frage war nie: Bauch oder Kopf? Die Frage war: Ist mein Bauch trainiert, mein Zugang klar und ohne Bias?KLARHEIT abrufen, S. 44

In „KLARHEIT abrufen“ beschreibe ich das als Signal und Rauschen. Der Sender funkt. Ob Sie ihn hören, hängt davon ab, wie viel Rauschen auf der Leitung liegt. Das Wissen ist da. Der Zugang ist verschüttet. Das ist bei vielen Führungskräften der eigentliche Unterschied zwischen einer klaren und einer gelähmten Entscheidung.

Der Kopf hat dabei eine feste Aufgabe. Er kommt nach dem Bauch, nicht vor ihm. Er prüft, worauf das Gefühl beruht. Wie sich Wunschdenken als Bauchgefühl tarnt, lesen Sie in Woran erkenne ich, ob mein Bauchgefühl Wunschdenken ist?

Eine Entscheidung gegen alle Logik

Ende der 1990er-Jahre war ich stellvertretender Geschäftsführer in einem mittelständischen Produktionsunternehmen. Unsere Großkunden drängten auf eine branchenweite Standardisierung. Weg von Einwegprodukten, hin zu wiederverwendbaren Systemen. Die Frage war nicht, ob wir mitmachen. Die Frage war, wie.

Die Logik sprach dagegen. Wiederverwendung heißt weniger Produktion. Weniger Produktion heißt weniger Umsatz. Und genormte Produkte heißen Preiskampf. Der Geschäftsführer hielt eine aktive Beteiligung für Wahnsinn. Seine Bedenken waren real. Wochenlang diskutierten wir. Die Stimmung wurde angespannter.

Dann, eines Tages im Auto auf dem Heimweg. Radio aus. Ich dachte an nichts Bestimmtes. Und plötzlich war der Gedanke da, vollständig und ohne jede Berechnung: Wenn wir unsere eigenen Bauformen in den Standard einbringen, führen wir den Markt. Nicht über die Menge. Über die Referenz.

Am nächsten Tag ging ich nicht zum Geschäftsführer. Ich ging direkt zum Inhaber und legte ihm meinen Vorschlag auf den Tisch. Er sah mich lange an.

Was er dann sagte und wie es ausging, steht in Kapitel 1 von „KLARHEIT abrufen“.

Was Sie jetzt tun können

Nehmen Sie die eine Entscheidung, die gerade offen liegt. Stellen Sie sich eine einzige Frage: Was würde ich entscheiden, wenn ich nur drei Minuten hätte? Schreiben Sie die Antwort auf, bevor der Kopf Einwände sammelt.

Die Antwort ist noch keine Entscheidung. Aber sie zeigt Ihnen, was Ihr Bauch längst weiß. Ob Sie ihr folgen dürfen, hängt an zwei Dingen: Haben Sie in genau dieser Art von Lage Erfahrung? Und ist Ihr Zugang gerade frei? Wenn beides zutrifft, verdient die Antwort aus den drei Minuten mehr Gewicht als die zehnte Analyse.

Im Buch zeige ich, wie Sie vor einer Entscheidung Signal und Rauschen unterscheiden, mit Geschichten aus drei Jahrzehnten Verantwortung. Zum Buch „KLARHEIT abrufen“. Käufer erhalten 24 kapitelbezogene Begleitmaterialien kostenfrei, Zugang im Buch.

Steht eine konkrete Entscheidung an, die nicht fällt? Dann ist das Entscheidungs-Sparring der direkte Weg: ein Mandat pro Entscheidung, kein Coaching.

Häufige Fragen

Ist Bauchgefühl dasselbe wie Intuition?

Nicht immer. Intuition ist unbewusste Mustererkennung auf Grundlage echter Erfahrung. Ein Bauchgefühl kann auch Wunsch, Druck oder Verlustangst sein, die sich genauso sicher anfühlen.

Sollte ich bei großen Entscheidungen nur dem Kopf folgen?

Nein. Der Bauch erkennt, der Kopf prüft. Erst meldet sich die Intuition, dann klärt der Verstand, ob ihr Fundament trägt.

Hans W. Deckers, Autor von KLARHEIT abrufen und Entwickler des Decision Clarity Process

Der Autor

Hans W. Deckers hat über drei Jahrzehnte unternehmerische Verantwortung getragen, auch durch eine Konzernkrise mit Insolvenz und Inhaberwechsel. Er ist Autor von „KLARHEIT abrufen. Entscheiden in dünner Luft“ und Entwickler des Decision Clarity Process, eines praxisorientierten Sieben-Schritt-Prozesses für Entscheidungsklarheit unter Druck.

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