Fragen zur Entscheidung
Wie entscheide ich als Geschäftsführer, wenn ich persönlich hafte?
Indem Sie Haftungsfragen und Entscheidungsfragen trennen. Die rechtlichen Grenzen klärt ein Anwalt. Die Entscheidung innerhalb dieser Grenzen treffen Sie selbst, und zwar rechtzeitig. Denn auch das Nicht-Entscheiden hat Folgen.
Warum persönliche Haftung lähmt
Am 05.09.2024 hat das Landgericht München I drei ehemalige Wirecard-Vorstände als Gesamtschuldner zu 140 Mio. € nebst Zinsen verurteilt (Az. 5 HK O 17452/21). Laut Pressemitteilung vom 05.09.2024 ist das Urteil nicht rechtskräftig.
Hans W. Deckers, Autor von „KLARHEIT abrufen“ und Entwickler des Decision Clarity Process, beschreibt in Kapitel 2, was dieses Urteil in Führungsetagen auslöst. Es sitzt unsichtbar mit am Tisch. Bei jeder Entscheidung flüstert es: Was, wenn es schiefgeht? Was, wenn Sie persönlich haften? Dazu kommen immer neue Vorschriften: KI-Verordnung, Lieferkettengesetz, ESG-Vorgaben, Datenschutz. Jede sendet dieselbe Botschaft. Sie können persönlich haften. Mit existenziellen Beträgen.
Deckers fasst das in ein Bild: Sie spielen Schach, aber jede Figur hat plötzlich 17 neue Zugregeln. Und wer einen Fehler macht, verliert nicht die Partie. Er verliert sein Haus.
Und seitdem ist Nicht-Entscheiden die sicherste Karriereentscheidung.KLARHEIT abrufen, S. 29
Wichtig ist dabei: Die Business Judgment Rule (§ 93 Abs. 1 Satz 2 AktG) gilt unverändert. Geändert hat sich nicht das Recht, sondern das Gefühl in den Führungsetagen. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Welche Regeln in Ihrem Fall gelten, klärt ein Anwalt.
Acht Menschen, und keiner sagt Ja
Ein Konferenzraum im 18. Stock in Frankfurt. Acht Menschen am Tisch. Vor ihnen eine Investitionsentscheidung über 200 Millionen Euro. Ein Zukauf, der das Unternehmen in neue Märkte bringen könnte.
Alle Analysen sagen: Go. Der Markt ist durchleuchtet, die Finanzen sind geprüft, die Due Diligence ist wasserdicht. Keine roten Flaggen.
Der CEO schaut in die Runde und fragt, ob man sich einig sei. Schweigen. Der Finanzvorstand will wissen, ob man wirklich alle Lieferkettenrisiken in Asien kennt. Die Chefjuristin fragt nach der ESG-Compliance und möglichen Änderungen der EU-Taxonomie. Der Technikvorstand zweifelt, ob die IT-Integration genug untersucht ist. Jede Frage ist berechtigt. Hinter jeder steht dieselbe Sorge.
Keiner sagt Nein. Keiner sagt Ja. Was der CEO dann entscheidet und was drei Monate später geschieht, steht in Kapitel 2 von „KLARHEIT abrufen“.
Was Sie jetzt tun können
Nehmen Sie ein Blatt und ziehen Sie eine Linie in der Mitte. Links stehen die Rechtsfragen: Was darf ich, was muss ich, wo beginnt meine Haftung? Rechts steht die Entscheidungsfrage: Welche Option halte ich für richtig?
Die linke Seite gehört zu einem Fachanwalt. Dort brauchen Sie keine Intuition, sondern Wissen, das Sie nicht haben. Die rechte Seite gehört Ihnen. Wenn links alles beantwortet ist und rechts trotzdem nichts passiert, liegt es nicht an der Haftung.
Das ist kein Freibrief. Wer Rechtsfragen nicht klären lässt, handelt leichtsinnig. Aber wer die Entscheidung selbst an Juristen delegiert, wartet auf eine Antwort, die kein Anwalt geben kann. Er kann sagen, was erlaubt ist. Welche der erlaubten Optionen die richtige ist, bleibt Ihre Aufgabe.
Für genau diesen Fall ist der Decision Clarity Process gebaut: ein strukturierter Entscheidungsprozess für den Fall, dass Fakten, Erfahrung und Analyse vorliegen und die Entscheidung trotzdem nicht fällt.
Was die Business Judgment Rule für Ihre Entscheidungen bedeutet, lesen Sie hier: Was bedeutet die Business Judgment Rule für meine Entscheidungen?
Die Klarheit ist da. Das Wissen ist da. Die Erfahrung ist da. Was den Unterschied macht: ob jemand seine eigene Klarheit im entscheidenden Moment erreicht und ihr vertraut.
Kapitel 2 von „KLARHEIT abrufen. Entscheiden in dünner Luft“ heißt „Die Compliance-Falle“. Käufer erhalten 24 kapitelbezogene Begleitmaterialien kostenfrei, Zugang im Buch. Für eine einzelne Entscheidung unter Haftungsdruck gibt es das Entscheidungs-Sparring: ein Mandat pro Entscheidung.
Häufige Fragen
Schützt mich die Business Judgment Rule vor jeder Haftung?
Nein. Sie knüpft an Voraussetzungen an, etwa eine angemessene Informationsgrundlage. Ob diese in Ihrem Fall erfüllt sind, klärt ein Anwalt, nicht ein Blogbeitrag.
Ist Abwarten bei Haftungsrisiken nicht die sicherere Wahl?
Abwarten fühlt sich sicher an, ist aber auch eine Entscheidung mit Folgen. Chancen verfallen, Wettbewerber handeln. Wer bewusst wartet, sollte benennen können, worauf.
