Fragen zur Entscheidung

Warum fällt mir eine Entscheidung so schwer, obwohl alle Fakten vorliegen?

Weil Fakten keine Entscheidung treffen. Ab einem bestimmten Punkt erzeugt jede weitere Information neue Risiken statt mehr Sicherheit. Das Wissen ist da. Der Zugang ist verschüttet.

Warum mehr Fakten die Entscheidung nicht leichter machen

Die Zahlen liegen auf dem Tisch. Die Optionen sind durchgerechnet. Die Gutachten sind gelesen. Und trotzdem fällt die Entscheidung nicht. Man bittet um eine weitere Analyse. Man verschiebt um eine Woche. Dann um noch eine.

Hans W. Deckers, Autor von „KLARHEIT abrufen“ und Entwickler des Decision Clarity Process, beschreibt das als Paradox des modernen Managements: Je mehr Daten Sie haben, desto weniger klar können Sie entscheiden. Der Psychologe Gerd Gigerenzer spricht von Information Overload. Das Gehirn arbeitet wie ein Schreibtisch. Bei fünf Dokumenten sehen Sie alles auf einen Blick. Bei 500 herrscht Chaos. Bei 5.000 geben Sie auf.

Doch mehr Information ist nicht die Lösung. Mehr Information ist das Problem.KLARHEIT abrufen, S. 13

Dazu kommt etwas, das sich nicht wie Angst anfühlt. Deckers nennt es Aversion: die stille Vorliebe des Gehirns für das Bekannte. Sie fühlt sich an wie Vorsicht. Wie gesunder Menschenverstand. Wie Professionalität. Genau deshalb bleibt sie unentdeckt.

Deckers trennt das genau. Angst ist laut, körperlich, unübersehbar. Aversion ist leise und rational. Wer sie als das erkennt, was sie ist, kann sie ablegen. Das ist für ihn keine Frage der Persönlichkeit, sondern Führungskompetenz.

Sie sind damit nicht allein. Für eine Studie von Oracle mit Seth Stephens-Davidowitz wurden 14.250 Menschen in 17 Ländern befragt. Ergebnis: 85 Prozent der befragten Führungskräfte haben im vergangenen Jahr eine Entscheidung bereut, sich ihretwegen schuldig gefühlt oder sie infrage gestellt. Darüber gesprochen wird selten. Unentschlossenheit gilt als Schwäche.

Wochenlang Meetings, alle Argumente auf dem Tisch

Ende der 1990er-Jahre war Hans W. Deckers stellvertretender Geschäftsführer eines mittelständischen Produktionsunternehmens. Die Großkunden drängten auf eine branchenweite Standardisierung. Einheitliche Bauformen. Weg von Einwegprodukten, hin zu wiederverwendbaren Systemen. Die Frage war nicht, ob das Unternehmen mitmacht. Die Frage war, wie.

Die Logik sprach dagegen. Wiederverwendung heißt weniger Produktion. Weniger Produktion heißt weniger Umsatz. Und wenn alle Wettbewerber dieselben genormten Produkte herstellen, droht ein ruinöser Preiskampf. Der Geschäftsführer hielt den Schritt für Wahnsinn. Seine Bedenken waren nicht irrational. Sie waren real.

Wochenlang wurde diskutiert. Meetings über Meetings. Jedes Argument lag auf dem Tisch, jedes Gegenargument auch. Die Atmosphäre wurde angespannter. Entschieden wurde nichts.

Dann, eines Abends auf dem Heimweg im Auto, das Radio aus, geschah etwas, das keine der Sitzungen geliefert hatte. Was es war und was Deckers am nächsten Morgen tat, steht in Kapitel 1 von „KLARHEIT abrufen“.

Was Sie jetzt tun können

Schreiben Sie Ihre Entscheidung als eine einzige Frage auf. Nicht „Wie geht es mit dem Projekt weiter?“, sondern „Stoppen wir das Projekt bis Freitag, ja oder nein?“. Ein Satz. Eine Frage, auf die Ja oder Nein passt. Je genauer die Frage gestellt ist, desto eindeutiger fällt die Antwort aus.

Oft zeigt sich schon dabei: Es fehlen keine Fakten. Es fehlt der Satz, über den überhaupt entschieden wird. Im Decision Clarity Process heißt dieser erste Schritt Klärung. Er steht vor jeder weiteren Analyse, nicht danach.

Wenn Sie seit Monaten nachlegen und trotzdem nicht weiterkommen, lesen Sie auch: Wann ist genug analysiert?

Die Klarheit ist da. Das Wissen ist da. Die Erfahrung ist da. Was den Unterschied macht: ob jemand seine eigene Klarheit im entscheidenden Moment erreicht und ihr vertraut.

Kapitel 1 von „KLARHEIT abrufen. Entscheiden in dünner Luft“ zeigt, warum mehr Wissen lähmen kann. Käufer erhalten 24 kapitelbezogene Begleitmaterialien kostenfrei, Zugang im Buch. Für eine einzelne, konkrete Entscheidung gibt es das Entscheidungs-Sparring: ein Mandat pro Entscheidung.

Häufige Fragen

Ist es normal, trotz guter Datenlage nicht entscheiden zu können?

Ja. Ab einem bestimmten Punkt macht zusätzliches Wissen unsicherer statt klarer, weil jede neue Analyse neue Risiken zeigt. Das ist kein Zeichen von Unfähigkeit, sondern ein bekanntes Muster.

Woran merke ich, dass mir keine Fakten mehr fehlen?

Wenn Sie seit Wochen dieselben Argumente wälzen und kein einziger neuer Gedanke dazukommt. Dann liegt der Engpass nicht in den Daten, sondern im Zugang zur eigenen Einschätzung.

Hans W. Deckers, Autor von KLARHEIT abrufen und Entwickler des Decision Clarity Process

Der Autor

Hans W. Deckers hat über drei Jahrzehnte unternehmerische Verantwortung getragen, auch durch eine Konzernkrise mit Insolvenz und Inhaberwechsel. Er ist Autor von „KLARHEIT abrufen. Entscheiden in dünner Luft“ und Entwickler des Decision Clarity Process, eines praxisorientierten Sieben-Schritt-Prozesses für Entscheidungsklarheit unter Druck.

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